Himmelsfarben 17.10.26

Himmelsfarben
Ich lag in meinem Bett und die Dunkelheit umhüllte mich bereits. Ich schaute an die Decke und lauschte in die Nacht hinein. Mein Herz schlug sachte. Die letzten Tage waren schön und schwer zugleich. Einerseits voll von Leben, von Kinderlachen, von goldenen Herbstmomenten, Nebel und Oktobersonne, voll vom Duft von nassem Herbstlaub und bunten Farben, voll von Begegnungen mit Menschen und Stille im Herzen. Und gleichzeitig der ständige Schmerz, der meinen Körper und meinen Geist durchzog. Von Tagen, an denen ich kaum laufen konnte und mein Kopf bei jedem Geräusch unerträgliche Schmerzen aushalten musste. Tage an denen ich verzweifelt war und mich selbst kaum ertrug. Nicht jede Krankheit ist erkenntlich und nicht jeder Folgeschaden sichtbar. Und so klopfte der ein oder andere bei mir an und brauchte Beistand. Doch ich konnte nicht und das machte mich traurig. Mein Körper brauchte Ruhe und so zog ich mich in mein heimeliges Schwedenhäuschen zurück und machte es mir gemütlich. Tage vergingen, an denen ich mit Katze auf der Schulter und Kaffee im Bett lag und an meinem Buch schrieb. Doch ich vermisste meinen Wald, den Wind in meinem Gesicht und die kühle Abendluft, wenn ich unter meiner Pappel saß und die Sterne betrachtete. Ich ruhte mich aus und tat mir selbst Gutes. So lag ich auch an diesem Abend in meinem Bett und lauschte und dankte dem Tag für all die schönen Momente. Ich schaute zum Fenster. Ein sonderbarer Schein lugte zum Fenster herein. Durch die Scheibe des alten Schwedenhäuschens konnte ich die Nordlichter am Himmel tanzen sehen. Seit so langer Zeit, das erste Mal wieder. Mein Herz schlug nun ganz laut in meiner Brust. Ich zog meinen warmen Mantel und die Näbbskor an, setzte meine Mütze auf und ging hinaus in die Nacht. Es war bitterkalt. Ich sah zum Himmel. Er war bestickt mit Millionen von Sternen, die wie Perlen auf Samt an das unendlich große, tiefschwarze Firmament geknüpft waren. Am Horizont aber waren die Nordlichter, die grün und purpur ihre nächtlichen Reigen tanzten. Auf und nieder schwebten sie wie Schleier dahin. Es war still. Nur die Landesgeister und ich waren dort, in diesem endlos weiten Schweigen. Ehrfurcht durchfuhr meine Seele. Ich hielt die Hand in den Himmel, als könnte ich die Sterne und die Lichter berühren. Und für diesen Augenblick war alles eins. Licht und Dunkelheit, Schönheit und Schmerz, Sehnsucht und Heimat, die Endlosigkeit des Himmel und ich als kleiner Punkt zwischen all den Sternen. Ich atmete langsam aus. Der Hauch meines Atems tanzte gemeinsam mit den Nordlichtern. Ich lauschte in mich hinein. Eine Sternschnuppe zog mit langem Schweif über den Nachthimmel vorüber. Ich schloss die Augen und wünschte mir etwas. Ich fühlte mich verbunden. Und auch wenn ich nur ein kleiner Punkt zwischen all den Sternen im Gefüge des Universums war, so leuchtete ich mit ihnen an diesem Abend gemeinsam. Und noch lange stand ich an dem Abend dort, den Blick zum Himmel gerichtet...
